ANGELIKA KOPEČNÝ
Angelika Kopecny

»Das geheime Leben der Autorin«

Angelika Kopečný wurde 1949 als fünftes Kind einer evangelischen Pfarrersfamilie in Berlin geboren. Die Eltern stammten aus Ost- und Westpreußen. Der familiäre Hang zur Rastlosigkeit und das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören, haben sicher etwas mit den Erfahrungen von Flucht und Entwurzelung zu tun. Kein Wunder, dass die Autorin von Osteuropa und vor allem seiner Literatur fasziniert war. Mit 15 Jahren begann sie, Kurzgeschichten im Stil von Isaak Babel und Boris Pilnjak, ihren großen Vorbildern, zu schreiben. Nach dem Abitur 1968 studierte sie Osteuropäische Geschichte, Slavistik und Philosophie in Mainz, Heidelberg, Freiburg und Berlin, im Zweitstudium Soziologie und Psychologie. Im Alter von 21 Jahren heiratete sie einen tschechischen Emigranten und kurz darauf wurde ihr erster Sohn geboren. Bei ihrem Nebenjob in der Institutsbibliothek für Wirtschafts- und Sozialgeschichte entdeckte Angelika Kopečný ein Buch aus dem Jahre 1902 über das Fahrende Volk, ein Fund, der sie dazu inspirierte, eine moderne Geschichte der Fahrenden, dieser Überlebenskünstler, und ihrer geheimen Kultur zu schreiben: ihr erstes, 1980 im Wagenbach-Verlag erschienenes Buch Fahrende und Vagabunden wurde ein großer Erfolg. Im Jahre 1993 lud der Kongress der Roma und Sinti die Autorin zu einem Vortrag über das Thema nach Wien ein. Nach dem Studium ging sie mit ihrem Sohn für einige Jahre auf Reisen, die sie durch Frankreich und Norditalien bis an die irische Westküste führten. Dort lebte die Autorin einige Zeit mit ihrem neuen Lebensgefährten in einer Landkommune. Die Erlebnisse in Irland verarbeitete sie in dem Buch Abschied von Wolkenkuckucksheim. Der Roman ist eine Mischung aus Autobiographie und Fiction und wurde 1986 im Fischer-Verlag veröffentlicht. Einige Jahre schien London der Ort der Wahl zu sein, aber 1984 zog Angelika Kopečný wieder nach Berlin zurück – nach einem enttäuschenden Intermezzo in einer hessischen Landkommune. Die Autorin erhielt 1988 das Literaturstipendium des Berliner Kultursenats und in den 90ziger Jahren mehrere Werkverträge. Weitere Veröffentlichungen folgten: Unter dem Eis wurde 1997 in der edition terra incognita verlegt, 2000 im Oberbaum-Verlag neu aufgelegt. Das Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer beauftragte Angelika Kopečný im Jahre 1996 mit einer wissenschaftlichen Studie. Untersuchungen zum Trauma und seinen Folgen füllten mittlerweile ganze Bibliotheken, weniger dagegen war bekannt, wie extremtraumatisierte Flüchtlinge ›trotz allem‹ weiterleben, über welche individuellen und kulturellen Ressourcen sie verfügen. Die Ergebnisse ihrer Studie fasste die Autorin in den ÜberLebensGeschichten (IKO-Verlag, 1999) zusammen. Von 2000 bis 2003 unterrichtete Angelika Kopečný im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit Kreatives Schreiben. Für die Autorin ein faszinierender und trostloser Ort, aber voller unglaublicher Geschichten. Nach den Begegnungen mit den dunkelsten Seiten der menschlichen Existenz widmete sich Angelika Kopečný der Liebe und ihren Schwankungen. Der heitere Sommerroman Swing in blue erschien 2004, wiederum bei edition terra incognita. Angelika Kopečný lebt in Berlin-Kreuzberg. Sie ist Mutter von zwei Söhnen und neben ihrer schriftstellerischen Arbeit in eigener Praxis für Psychotherapie tätig.

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